Markus Lemke, Diplomgesangslehrer
Meine Ausbildung als Gesangslehrer vollzog sich über einen Zeitraum von etwa fünfzehn Jahren. Die Grundlagen, die ich beim Düsseldorfer Bariton Werner Lechte erlernte, wurden weiterentwickelt an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg bei Prof. Hans Kagel. Dort erhielt ich ebenfalls Sprecherziehungsunterricht bei der früheren Gründgens-Schauspielerin Irene Laett, durch den ich wichtige Impulse zu gesundem Stimmgebrauch und lebendiger Text-Interpretation erhielt. Ich beendete mein Hochschulstudium an der Staatlichen Musikhochschule in Karlsruhe (Professoren Klaus-Dieter Kern und Christiane Hampe) und legte dort mein Diplom als Gesanglehrer ab. Meine Diplomarbeit verfasste ich zu dem Thema: „Stütze“ – Geschichte eines gesangstechnischen Begriffs, eine vergleichende Untersuchung zum Begriff der „Sängerstütze“ (aus dem Inhalt: Zur Vorgeschichte des Stützbegriffs – die italienischen Gesangschulen bis ca. 1900; Die deutsche „Stütze“/Der Methodenstreit – Die deutschen Gesangschulen von ca. 1900-1939, Vergleich der Lehre vom „Stauprinzip“ von G. Armin und der „Minimalluft-Theorie“ von P. Bruns; Die Stützkritik – die neue, wissenschaftlich fundierte Begriffsbildung von 1945 bis zur Gegenwart)
Nach Abschluss meines Hochschulstudiums erhielt ich weitere wesentliche Anregungen in Technik- und Interpretationskursen bei Mira Zakai (Israel) und Thomas Quasthoff. In Meisterkursen und mehrjährigem Privatunterricht bei Andreas Schmidt vervollständigte ich meine eigene Ausbildung als Sänger. Die fundierte solide Gesangstechnik und klare musikalische Gestaltung, die ich dort erlernen durfte, bilden heute die Grundlagen für mein eigenes Unterrichten. Durch mein Interesse für den Berührungspunkt von Stimme und Persönlichkeit begann ich danach vermehrt, ein ganzheitliches Konzept von Stimmarbeit zu verfolgen. Ich beschäftigte mich intensiv mit den verschiedensten Methoden zu allen äußeren und inneren Aspekten von Gesang und Stimmgebrauch: Körper-, Atem- und Bewegungsschulen sowie Techniken für Selbsterfahrung und Heilung von Körper, Geist und Seele (Alexandertechnik, Focusing, Gestaltarbeit, Phyllis-Krystall-Methode etc., nähere Informationen dazu siehe auf den Seiten Seminarleiter und Seminare). Daraus entwickelten sich meine Seminare zu Stimme und Selbsterfahrung „Den Weg der Stimme gehen…“ (siehe Seminare).
Als ausübender Sänger, der täglich mit und an seiner eigenen Stimme arbeitet, und als Gesangslehrer im Kontakt mit meinen Schülern praktiziere ich heute das, was sich im Laufe dieser Erfahrungen als am effektivsten und am ehesten ursächlich wirkend herausgestellt hat. Menschen singen, weil sie „überfließen“, weil sie etwas ausdrücken müssen, das in ihnen ist. Die Form, die dieser Ausdruck annimmt, ist der gesangstechnische, handwerkliche Aspekt von Gesang – wie Atemführung, Resonanzbildung, ein gesunder Körpergebrauch. Dies vermittele ich meinen Schülern sowohl an klassischem, wie auch modernem Repertoire (Jazz, Pop, etc.). Als Sänger sind wir jedoch selbst Instrument, und die inneren Saiten dieses Instrumentes zu stimmen, damit es frei und durchlässig wird, ist für mich ein ebenso wichtiger, wertvoller Aspekt von Gesangsunterricht. Hier hat mich die Arbeit des „Inneren Spiels“ von W. Thimothy Gallwey (s. Buchempfehlungen unter Kontakt/Links) sowie meine Seelsorgerausbildung und mein eigener existentieller Lebensweg geprägt.
Neben dem „klassischen“ Gesangsunterricht biete ich heute ebenfalls Einzelarbeit zu Stimme und Persönlichkeit an, in der es, wie in meinen Seminaren, um Stimm-Selbsterfahrung, Finden der eigenen stimmlichen Identität und dem Erfahren von Freude am Stimmausdruck geht. Hier ist Raum zum freien Ausprobieren und Entwickeln von Stimme und Mensch, Loslassen von Stimmblockaden und Befreien von eigenem Ausdruckspotenzial.
Dieses Spektrum findet sich ebenfalls in meiner Arbeit mit Gruppen wieder. Ich biete sowohl Chortraining und Workshops für kleinere Ensembles an, wie auch Stimm-Selbsterfahrung für Laien und Stimmprofis und der Ausbildung von Seelsorgern und Psychotherapeuten. Ich beschäftige mich momentan vermehrt mit Stimmimprovisation, dem spirituellen Aspekt und der heilenden Wirkung von Gesang. Durch die Berührung mit der buddhistischen Zen-Meditation ist mein eigener Weg als Sänger auch ein spiritueller geworden. So sehe ich mein eigenes Singen als Praxis des Weges an, ähnlich wie es das Bogenschießen in Eugen Herrigels Buch „Zen in der Kunst des Bogenschießens“ ist. Diesen Weg gehe ich mit großer Freude und Erfüllung. Ich arbeite in meinem eigenen Gesangstudio, das wunderbar am Rande des Odenwaldes gelegen ist.
Dietrich Fischer-Dieskau hat die Arbeit des kreativen Künstlers einmal so beschrieben, dass er „Dinge tut, von denen er noch nicht weiß, wie sie beschaffen sein könnten“. Mein eigener „Weg der Stimme“ hat mich zu auch für mich selbst überraschenden Wandlungen und kostbaren künstlerischen wie menschlichen Erfahrungen geführt. Als Gesangslehrer stehe ich Menschen mit diesen Erfahrungen als Begleiter auf ihrem Stimm-Weg zur Verfügung, ganz gleich, von welchem Ort sie aufbrechen und wohin ihre Stimme sie führt. Interessierte daran lade ich herzlich zu einem Stück gemeinsamen Weges ein.
(Für Anfragen nach Einzelunterricht siehe Kontakt)